»Die Säkularisation im Prozess der Säkularisierung Europas«

Blickle, Peter / Schlögl, Rudolf (Hg.):
»Die Säkularisation im Prozess der Säkularisierung Europas«
Oberschwaben - Geschichte und Kultur, Bd. 13
ISBN 3-938471-58-9, Leinen, 576 Seiten 

Die Begriffe Säkularisierung und Säkularisation gehören zum Kernbestand der politisch-sozialen Sprache des neuzeitlichen Europa. Während freilich Säkularisation einen weitgehend unumstrittenen Bedeutungsgehalt hat und die (weltliche) Enteignung von Kirchengut sowie den Entzug von Herrschaftsrechten meint, die bei kirchlichen Institutionen liegen, wird Säkularisierung in den historischen und sozialen Wissenschaften wie auch in der gesellschaftspolitischen Argumentation mehrdeutig gebraucht. Neuerdings mehren sich Zweifel, ob die These einer fortschreitenden Trennung von Religion und weltlicher Ordnung den historischen Prozess überhaupt angemessen erfasse.

Der vorliegende Band dokumentiert eine wissenschaftliche Tagung, in der die Säkularisation von 1803 zum Anlass genommen wurde, diese Veränderungen im Verhältnis von Religion und Gesellschaft im Verlauf der Neuzeit in einem europäischen Horizont zu diskutieren. Ein erstes Anliegen dabei musste sein, die politischen, rechtlichen und sozialen Folgen der Säkularisation nach dem neuesten Forschungsstand zu erfassen. Zum andern ging es darum, die Ereignisse von 1803 in Bezug zu den Säkularisationsbestrebungen zu setzen, von denen die europäische Geschichte seit dem ausgehenden Mittelalter gekennzeichnet ist. Ein drittes Ziel war es, mit Oberschwaben eine einzelne Region ins Zentrum der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit zu rücken und den Besonderheiten ihrer Entwicklung gerade dadurch gerecht zu werden, dass diese auf die europäische Dimension der Prozesse und Zusammenhänge bezogen wurden.

Die hier vorgestellten Forschungsergebnisse von Historikern und Theologen internationalen Ranges sind in sechs Abschnitte gegliedert: Auf einführende Beiträge zur Problematik des Säkularisierungskonzeptes folgen Aufsätze zum Verhältnis von weltlicher Obrigkeit und Kirchengut in Spätmittelalter und früher Neuzeit. Hier wird die Vorgeschichte der neuzeitlichen Säkularisation nachgezeichnet, während ein folgender Block von Beiträgen die grundlegenden Verschiebungen in Glauben und Frömmigkeit seit dem 17. Jahrhundert thematisiert. Die nachfolgenden Aufsätze widmen sich direkt den Ereignissen der Säkularisation. In einem weiteren thematischen Schwerpunkt werden die Folgen dieser tiefgreifenden Umgestaltung für Gesellschaft, Staat und Kirche analysiert, bevor in Ausblicken die Bedeutung von Religion und Glauben in den modernen Gesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts untersucht wird.