»Landschaften und Landstände in Oberschwaben«

Peter Blickle (Hrsg.):
»Landschaften und Landstände in Oberschwaben«
Bäuerliche und bürgerliche Repräsentation im Rahmen des frühen europäischen Parlamentarismus
ISBN: 3-928471-29-5. Leinen, 328 Seiten, 78,00 DM 

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»Landschaften« gehören zu den besonderen Merkmalen der politischen Kultur in Oberschwaben in der Frühen Neuzeit. Der Begriff bezeichnete nicht wie heute einen geographischen oder kulturellen Raum, sondern eine politische Institution, die eine Entsprechung zum zeitgenössischen Begriff »Herrschaft« aufweist. Herrschaft und Landschaft gehörten zusammen. In den Herrschaften der Klöster, des Adels, vereinzelt auch im Territorium einer Reichsstadt, gab es politische Vertretungen der bäuerlichen Untertanen, die wie die Ständeversammlungen in den großen Fürstentümern »Landschaften« genannt wurden. Entstanden waren sie zumeist in der kritischen Zeit von Reichsreform, Reformation und Bauernaufständen um 1500, bestanden haben sie bis zur Säkularisation und Mediatisierung der oberschwäbischen Herrschaften zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Politisch haben sie die Interessen der Bauern vertreten und sich für die Milderung der Leibeigenschaft und die Verbesserung der Besitzrechte an den Höfen erfolgreich eingesetzt, vor allem waren sie unentbehrlich für die Finanzpolitik und bildeten in dieser Funktion eine Art Staatsbank und Genossenschaftskasse im jeweiligen Territorium.

Das Entstehen der oberschwäbischen Landschaften fällt zeitlich zusammen mit einer Umformung politischer Repräsentation in Europa. In die Parlamente, unter denen die in England und Spanien zu den ältesten zählten, rückten um 1500 zunehmend Bürger und Bauern ein. In Schweden bildeten sie neben Adel und Geistlichkeit eigene Kurien, in Frankreich organisierten sie sich im Tiers ß¹tat (Dritter Stand), aus dem 300 Jahre später in der Französischen Revolution die Nationalversammlung hervorgehen sollte. Die politische Repräsentation der arbeitenden Bevölkerung markiert einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum modernen Parlamentarismus.

Die vorliegende Publikation arbeitet die Eigenheiten der oberschwäbischen Landschaften aufgrund neuester Forschungen heraus, ordnet sie vergleichend in die deutsche Entwicklung ein und sucht sie mit Formen bäuerlich-bürgerlicher Repräsentation in Parlamenten der europäischen Königreiche zu vergleichen. Dazu vereinigt der Band Beiträge der in Europa führenden Forscher im Bereich der in der Geschichtswissenschaft sogenannten »Ständeforschung«.