Schloß Meßkirch

Gabriele Heidenreich:
»Schloß Meßkirch«
Repräsentation adeligen Herrschaftsbewußtseins im 16. Jahrhundert
ISBN 3-928471-18-X. Leinen, 256 Seiten, 157 Abb., 98,00 DM

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Graf Froben Christoph von Zimmern ließ in der Mitte des 16. Jahrhunderts in seiner Residenzstadt Meßkirch einen Schloß-Neubau errichten: eine regelmäßige Vierturmanlage mit nach außen tretenden Ecktürmen. Dieser Bau, der in der Region ohne Vorbild ist und als einer der hervorragenden Schloßbauten Südwestdeutschlands in der frühen Neuzeit gilt, nimmt das aus dem Mittelalter bekannte Kastellschema auf und bildet eine wichtige Etappe auf dem Weg der hohen Architektur von der Burg zum Schloß.

Innerhalb kurzer Zeit fand das Kastellschema nicht nur im Süden Deutschlands eine verbreitete Rezeption. Sie ist um so erstaunlicher, als der wehrhaft erscheinende Bautypus gerade dann Verwendung fand, als seine Wehrfunktion — ohne Wall und Bastion — aufgrund der gestiegenen Feuerkraft potentieller Angreifer tatsächlich nicht mehr erfüllt wurde.

Vor diesem Hintergrund untersucht die Autorin Schloß Meßkirch erstmalig auf seine Konzeption hin. Sie stellt die Frage nach Herkunft und Bedeutung dieser Bauform und zeigt das Zusammenspiel unterschiedlicher Einflüsse auf.

Interessanterweise ist der Kastelltypus in den italienischen Architektur-Traktaten mit der Vorstellung der Tyrannenburg verbunden, wodurch fürstliche Repräsentation mit dem Gedanken uneingeschränkter Herrschaft verknüpft ist — eine Idee, die auch in Lage und Erscheinungsbild von Schloß Meßkirch zum Ausdruck kommt. Bedenkt man, daß für Froben Christoph von Zimmern der Residenzneubau neben der Abfassung der Zimmernschen Chronik, die als eines der beeindruckendsten Beispiele dieses Genres gelten darf, eines der wichtigsten Mittel zur Festigung und Mehrung des Ansehens seiner Familie und zur Legitimation seines adeligen Selbstverständnisses war, so erscheint der Neubau von Schloß Meßkirch nicht nur als ein bewußter Versuch, den politischen Aspirationen des Grafen von Zimmern einen adäquaten und repräsentativen architektonischen Ausdruck zu verleihen, sondern er bietet sich darüber hinaus als Paradigma für die Repräsentation adeligen Herrschaftsbewußtseins an.