Ir aigen libertet

Martin Zürn:
»Ir aigen libertet«
Waldburg, Habsburg und der bäuerliche Widerstand an der oberen Donau 1590 - 1790
ISBN 3-928471-15-5. Leinen, ca. 750 Seiten, ca. 78,00 DM

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Die Grafschaft Friedberg-Scheer gehörte neben den Herrschaften Dürmentingen-Bussen und Kallenberg vom Bauernkrieg bis zur Französischen Revolution zu den revol-tenträchtigsten adeligen Herrschaftsgebieten des Alten Reiches. Fast jede Bauerngeneration beteiligte sich an Fron- und Steuerverweigerungen, Tumulten und Prozessen. Die vorliegende Arbeit beschreibt den Verlauf, die Ursachen und Hintergründe aus mehreren Perspektiven.

Erstmals werden die wirtschaftlichen und bevölkerungsgeschichtlichen Rahmenbedingungen sowie die politische Geschichte der Region im Zusammenhang dargestellt. Das Ringen zwischen Waldburg und Habsburg um die volle Landesherrschaft nutzte die Bevölkerung, um die waldburgische Herrschaft mit österreichischer Hilfe zu destabilisieren und »eigene Libertät« zu erringen. Im Zuge langer Kämpfe engte sich der Spielraum für bäuerlichen Widerstand zwar bis zum Ende des 17. Jahrhunderts nachhaltig ein. Für die damalige Zeit außergewöhnlich war jedoch die von österreichischen Kommissaren vermittelte Abschaffung der Leibeigenschaft um 1686. Allerdings gelang der Landbevölkerung bis zum Ende des Alten Reiches die erstrebte Rückkehr unter die volle österreichi-sche Landeshoheit nicht. Hinter dem Kampf gegen die Leibeigenschaft war demnach ein Freiheitsverständnis der Untertanen wirksam, das auf die volle schwäbisch-österreichische Landstandschaft abzielte.

Ein mikrohistorisch orientierter Teil des Buches unter-sucht die Bildung politischer Netzwerke in verschiedenen Querschnitten zwischen 1590 und 1749. Er zeigt, daß im Widerstandshandeln Klientel-Beziehungen wirksam waren, die Bevölkerungsteile — unabhängig von ihren Schich-tenzugehörigkeiten — für oder gegen das Haus Waldburg mobilisierten. Dabei verschmolzen politische Orientierung, Amtspflichten, Lehenbindungen und Sippenfeindschaften zu konkurrierenden Parteigesinnungen, die das Alltagsleben in konfliktträchtiger Weise prägten. Auch der Zusammenhang u. a. zwischen Lehenverpflichtungen, familiärem Zusammenhalt, der Verstrickung in Hexenprozesse und politischem Bekenntnis wird deutlich. Ihren symbolischen Niederschlag fanden die Auseinandersetzungen nicht zuletzt im harten Ringen zwischen Obrigkeit und Untertanen um kirchliche Rechte.